Vom 2. bis 5. Oktober 2026 besuchte die EUROPA-UNION Heilbronn die Hauptstadt Bosnien und Herzegowinas – Sarajewo. Vier Tage zwischen Orient und Okzident, Osmanischem Reich und Österreich-Ungarn, Tito und Olympia, Krieg und Wiederaufbau. Vier Tage voller Geschichte, Kultur, Begegnungen – und natürlich jeder Menge bosnischer Küche.
Bereits am Freitagmorgen landeten wir sehr früh in Sarajewo. Viel Zeit zum Ausruhen gab es allerdings nicht. Von unserem Hotel, nur wenige Meter von der Latinska ćuprija entfernt, starteten wir direkt in unser Programm.
Unser erster Besuch führte uns in die Vijećnica, eines der wohl bekanntesten Gebäude Sarajewos. Danach musste allerdings erst einmal gefrühstückt werden – und was frühstückt man in Sarajewo? Natürlich Ćevapi. Da an diesem Tag das letzte Länderspiel von Edin Džeko anstand, wurden aus den üblichen zehn Ćevapi kurzerhand elf. Einer für Džeko musste schließlich sein.
Bei bestem Wetter wandelten wir anschließend auf den Spuren von Isa-Beg Ishaković, Gazi Husrev-Beg und Valter Perić und damit durch mehrere Jahrhunderte Stadtgeschichte. Wir besuchten unter anderem die Kathedrale von Sarajewo, Svrzos Haus, Kovači, den Sebilj, Morića Han, die Medresa und die Fakultät der Islamischen Wissenschaften.
Natürlich darf man Sarajewo aber nicht nur erlaufen, man muss es auch schmecken.
Bei bosnischem Kaffee, Rosensaft und verschiedenen Kuchen konnten wir bei bestem Wetter einfach einmal sitzen, genießen und das Treiben der Stadt beobachten.
Am Abend waren wir in Mošćanica, einem alten und in zahlreichen Liedern besungenen Stadtteil Sarajewos, zum Essen eingeladen. Von Begova čorba über verschiedene Dolme bis hin zu Baklava und Kahva kam alles auf den Tisch, was dazugehört. Besonders schön wurde der Abend durch Lejla Čaušević Karačić, die uns mit ihren Gesangseinlagen begleitete.
Gerade an diesem Abend konnten wir erleben, was bosnische Gastfreundschaft eigentlich bedeutet. Gemeinsam essen, erzählen, lachen, singen und sich einfach Zeit füreinander nehmen. Manchmal braucht es gar nicht mehr, um die Seele baumeln zu lassen.
Gemeinsam mit unseren Guides Armina und Haris ging es danach noch hinauf zur Bijela Tabija. Von dort liefen wir durch Vratnik hinunter zur Žuta Tabija und wurden mit einem wunderschönen nächtlichen Blick über Sarajewo und sein Tal belohnt.
Und weil der Tag offensichtlich noch nicht lang genug gewesen war, ging es anschließend in das Brauhaus der Sarajevska Pivara. Dort sahen wir die letzten Minuten des Spiels Bosnien und Herzegowina gegen Schweden und ließen den Abend bei Live-Musik ausklingen.
Tito, Momo & Uzeir und Sarajewo von oben
Am Samstag starteten wir wieder direkt von unserem Hotel und liefen entlang der Miljacka in Richtung Marijin Dvor. Auf unserem Weg begegneten uns unter anderem das Narodno Pozorište, das Präsidialgebäude, die Kantonsverwaltung, der Hastahana-Park und natürlich Momo & Uzeir.
Dieser Tag war vor allem Tito, Jugoslawien und der jüngeren Geschichte Bosnien und Herzegowinas gewidmet.
Natürlich wollten wir Sarajewo auch einmal von oben sehen. Also ging es auf den Avaz Twist Tower. Der Blick über die Stadt, das Tal und die umliegenden Berge war beeindruckend. Hier wurde uns noch einmal deutlich, wie positiv sich Sarajewo trotz seiner volatilen und teilweise brutalen Vergangenheit entwickelt hat.
Selbst unser Kreisvorsitzender ließ sich zu der Aussage hinreißen, dass er niemals gedacht hätte, dass die Stadt sich so macht.
Mehr Lob war an dieser Stelle vermutlich nicht herauszuholen.
Auch der Bahnhof von Sarajewo durfte nicht fehlen. Obwohl er an der einen oder anderen Stelle durchaus etwas Zuwendung vertragen könnte, ist er architektonisch ein echter Hingucker.
Danach verschlug es uns ins Nationalmuseum von Bosnien und Herzegowina.
Dort gab uns Semin einen tiefen Einblick in die Ethnologie des Landes, seine Völker, Religionen und Traditionen. Besonders spannend waren für uns die Kleidungsordnungen während des Osmanischen Reiches und die Frage, wie später im sozialistischen Jugoslawien damit umgegangen wurde. Praktisch, wenn man jemanden vom Fach dabeihat.
Ein kleines Highlight war auch der botanische Garten des Museums mit seiner beeindruckenden Pflanzenwelt – und einigen Schildkröten, die das schöne Wetter mindestens genauso genossen wie wir.
Über König Tvrtko I. Kotromanić und die Titova ging es schließlich in Richtung Ferhadija und damit mitten hinein ins heutige Sarajewo. Danach gab es – selbstverständlich – Pita und Burek.
Beim Essen überraschte unser Kreisvorsitzender Heinrich Kümmerle Semin im Namen der Reisegruppe mit einem ganz besonderen Geschenk: einem traditionell gefertigten Sahan. Ein Geschenk, über das er sich sehr gefreut hat und das hoffentlich noch lange an diese gemeinsame Unternehmung erinnern wird.
Abends ging es wieder ins Brauhaus. Bei bester Gesellschaft, gutem Essen, Getränken und Live-Musik fand die Gruppe endgültig den Rhythmus des Balkans und es wurde selbstverständlich auch mitgetanzt.
Besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle das bisher unentdeckte Gesangstalent unseres JEF-Kreisvorsitzenden Leonhard Reinwald. Er konnte nicht nur trotz fehlender Textkenntnisse erstaunlich überzeugend mitsingen, sondern traf dabei als Einziger auch noch die richtige Intonation. Talent muss man eben nicht verstehen.
Gegen Mitternacht folgten Spaziergang und Mitternachtssnack. Natürlich wieder mit einer ordentlichen Portion Ćevapi. Man muss schließlich konsequent bleiben.
Vučko, Vrelo Bosne und die 1990er-Jahre
Am Sonntag machten wir uns auf die Spuren von Vučko und ZOI ’84, aber auch auf die Spuren der 1990er-Jahre.
Ein Highlight war zunächst der Besuch von Vrelo Bosne, der Quelle der Bosna. Zwischen Wasser, Natur und bestem Wetter zeigte sich uns eine völlig andere Seite Sarajewos.
Danach ging es zurück in die Baščaršija, wo wir auf der Straße bei „Omas Küche“ traditionelle Gerichte genießen konnten. Am Nachmittag waren wir in der Inat Kuća verabredet und probierten bei wunderbarem Ambiente weitere Gerichte, die uns bis dahin noch nicht begegnet waren.
Danach wurde es ernster.
Im Lokal „Unter der Linde“ berichtete uns Armina über die 1990er-Jahre und den Bosnienkrieg. Dabei teilte sie nicht nur historische Informationen mit uns, sondern auch ihre ganz persönliche Geschichte. Ihre Erzählungen haben bei uns allen einen starken Eindruck hinterlassen.
Zeitgleich kamen die ersten Wahlergebnisse herein. Und wenn man schon mit einem „Local“ zusammensitzt, lässt man sich die Gelegenheit natürlich nicht nehmen, über die Wahlen, die geringe Wahlbeteiligung und die politische Zukunft des Landes zu diskutieren.
Gerade diese Gespräche haben uns in unserer Überzeugung bestärkt:
Die Europäische Union muss auf dem westlichen Balkan ein viel stärkerer Treiber sein.
Sie muss das Leuchtfeuer sein, das Bosnien und Herzegowina eine echte und glaubwürdige Perspektive bietet. Denn wenn Europa diese Perspektive nicht bietet, werden andere die Lücke füllen.
Die Menschen in Bosnien und Herzegowina sind es wert, dass wir um sie kämpfen – und vor allem, dass wir gemeinsam mit ihnen für eine europäische Zukunft kämpfen.
Europa findet man manchmal dort, wo man es nicht erwartet
Sarajewo hat uns gezeigt, wie unterschiedlich Kulturen sein können und trotzdem miteinander leben.
Hier begegnen sich Okzident und Orient, Moscheen, Kirchen und Synagogen, osmanisches Erbe und österreichisch-ungarische Architektur, Jugoslawien und das moderne Bosnien und Herzegowina.
Und trotzdem ist es im Alltag, auf der Straße, in den Geschäften oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln oftmals vollkommen egal, wie jemand heißt oder welcher Religion er angehört.
Besonders gefreut haben wir uns deshalb über die zahlreichen Europaflaggen, die uns in Sarajewo begegneten. Denn Sarajewo ist nicht irgendeine Stadt am Rande Europas. Sarajewo ist eine europäische Stadt.
Vielleicht versteht man erst, wenn man dort gewesen ist, warum Sarajewo als das „Jerusalem Europas“ bezeichnet wird.
Hvala vam!
Ein ganz besonderer Dank gilt Belma, Armina, Haris und Aisa, die uns mit viel Herzblut, Wissen und Gastfreundschaft einen wunderschönen und eindrucksvollen Aufenthalt ermöglicht haben.
Vor allem möchte ich mich aber auch bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern unserer Reisegruppe bedanken.
Danke, dass ihr euch darauf eingelassen habt, gemeinsam mit uns nach Sarajewo zu reisen. Danke, dass ihr neugierig wart, Fragen gestellt, diskutiert, probiert, zugehört, mitgelacht und irgendwann sogar mitgetanzt habt.
Und vor allem: Danke, dass ihr euch dafür entschieden habt, Sarajewo nicht einfach nur zu besuchen, sondern den Klängen seiner Geschichte zu lauschen.
Denn kaum eine andere Stadt erzählt ihre Geschichte so deutlich wie Sarajewo. Man hört darin das Osmanische Reich und Österreich-Ungarn, Jugoslawien und Olympia, Krieg und Frieden, Muezzin und Kirchenglocken, Sevdalinka und die Musik eines vollen Brauhauses.
Wir haben diese Chance genutzt – und können nach diesen Tagen sehr gut verstehen, warum Sarajewo bei Reisenden immer beliebter wird.
Wir kamen mit vielen Fragen und fuhren mit noch mehr Geschichten nach Hause.
Und irgendwo zwischen Ćevapi, Kahva, Vučko, Valter, Tito, Baklava, Europaflaggen und Balkanrhythmen haben wir wahrscheinlich alle ein kleines Stück Sarajewo mitgenommen.
Hvala, Sarajewo. Vidimo se opet! 🇧🇦🇪🇺









