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Bildungsreise der JEF Baden-Württemberg – Heilbronn war mit dabei!

Mit Simon Müller und Finn-Ole Albers nahmen dieses Jahr zwei Heilbronner an der Bildungsreise der Junge Europäer – JEF Baden-Württemberg nach Kiew teil. Wie auch in den vergangenen Jahren fand die Reise wieder im Rahmen der Studienreihe „Demokratisierungsprozesse in Süd- und Osteuropa“ statt

Eine Woche voller spannender Gespräche und hochinteressanten Begegnungen mit politischen Stiftungen, der deutschen Botschaft, örtlichen NGO, der OSZE sowie dem Treffen mit dem jüngsten Parlamentsabgeordneten Sviatoslav Yurash und die Besuche in der Regierung, dem Parlament, sowie dem Nationalen Antikorruptionsbüro liegen hinter uns.

Wir hatten die Chance, ein vielseitiges Land mit all seinen Facetten kennenzulernen. Themen bei den Besuchen waren u. a. die Lage in der Ostukraine, die Steinmeier-Formel und der baldige Normandie-Gipfel, Wolodymyr Selenskyjs Präsidentschaft sowie die humanitäre Lage im Land.

Auch über die Zivilgeselllschaft und die Korruptionsbekämpfung konnten wir in den Gesprächen und Veranstaltungen viel lernen. Die Ukraine hat mit vielen internen und externen Problemen zu kämpfen. Sei es der Konflikt mit Russland und allen Begleiterscheinungen die damit einhergehen, die grassierende Korruption in vielen Bereichen oder anhaltende wirtschaftliche Probleme.

Dennoch haben wir viele Menschen getroffen, die voller Mut, Tatendrang und Optimismus in die Zukunft blicken und gegen diese Widrigkeiten ankämpfen.

Unterstützt wurde die Reise von der JEF Ukraine und AEGEE-Kyiv, die uns bei der Reise begleitet haben und uns die Möglichkeit gaben mit jungen, hoch motivierten Ukrainern in Kontakt zu kommen. Es war eine tolle Reise mit vielen neuen Eindrücken!

2 Antworten auf „Bildungsreise der JEF Baden-Württemberg – Heilbronn war mit dabei!“

Auszug aus M. Heister: Der Studentensturm .
Das War im November 1950

Ähnlich wird in der Fränkischen Landeszeitung berichtet :
„Freitagnacht bewegten sich 1000 deutsche Teilnehmer – aus Franken allein 200 Jugendliche – in einer kilometerlangen Fahrko-lonne von Heidelberg aus auf die Grenze zu. Alle Autobusse wa-ren mit Dutzenden von grünweißen Europafahnen und Transpa-renten geschmückt. Je näher der Grenze, desto mehr wuchs Be-geisterung und Spannung.

Kein Teilnehmer hatte einen Paß. Doch was noch vor einem Jahr unmöglich erschienen wäre, gelang! Die französischen Grenzbe-amten an dem Übergang Hirschthal (Landkreis Pirmasens) ließen die Autos passieren. „Vive l’Europe – es lebe Europa“ riefen die Jugendlichen in Sprechchören und die französischen Polizisten salutierten. Auch während der Fahrt nach Straßburg wurden die Teilnehmer von der Bevölkerung größtenteils jubelnd begrüßt.“

Auch im ‚Selber Tagblatt’ findet sich ein Bericht über die Aktion. Dort schreibt Marianne Vogler, die als Mitglied des Bundes Euro-päischer Jugend (BEJ) teilnahm, Folgendes

Als bei Weißenburg die deutsch-französischen Schlagbäume brannten, sagte Marcel Mille, der Organisator der Aktion: “Heute sind es 300 junge Europäer, morgen werden es 3000, übermorgen 30000 sein, die für die Einigung des freien Europa in Wort und Tat eintreten.“ Diesmal waren es 3000 junge Europäer, die zum Ab-schluß der Sitzung des Europarates am Freitag-Abend vor dem Europaratsgebäude in Straßburg demonstrierten.

Für Selb waren uns drei Plätze zur Verfügung gestellt worden, Auf Telefonanruf fuhren wir am Donnerstag-Morgen los und trafen mit den Gruppen aus Hof und Bayreuth zusammen. Würzburg war das erste Ziel der Fahrt. Freunde erwarteten uns. Ihre Spannung sprang sofort ruf uns über: Wird es wohl gelingen? Wird man uns in Frankreich festnehmen?
Um 22 Uhr rollte ein großer, feudaler Omnibus mit Lautsprecher am Bahnhof vor. Pünktlich auf die Minute traf der Bamberger Bus ein. Zusammen mit ihm begann unsere „Festung Marienberg“ eine herrliche nächtliche Fahrt mainabwärts durch die stillen Franken-städtchen.

Die Würzburger Gruppe vor der Abreise (Archiv Thumser, Augsburg)
Bei klarem Himmel und Vollmond durchfuhren wir die dunklen Tä-ler des Odenwaldes. Da war der Neckar und bald blinkten die Lich-ter Heidelbergs. Keiner hatte geschlafen. Im Laufe einer halben Stunde trafen in Heidelberg alle deutschen Omnibusse ein. Mit Freunden aus Kiel, Hamburg, Bremen, Wuppertal, Aachen, Dort-mund, Frankfurt, Erlangen, München, Nürnberg u. a. wechselten wir kurz einige Worte und weiter ging die gemeinsame Fahrt der Kolonne bei Tagesanbruch über den Rhein bei Mannheim, hinein in die Pfalz über Bad Dürkheim, Kaiserslautern nach Pirmasens. Pech gehabt? Eine deutsche Polizeistreife stoppte uns. Woher, wohin? – ,Würzburger Studenten auf Studienfahrt !‘ Nach bangem Warten endlich weiter, durch zerschossene Ortschaften, an ge-sprengten Bunkern und Stellungen des Westwalls vorbei. Auf schmalen Wegen nahe der Grenze fanden wir endlich die Kolonne wieder.

Die Busleiter hatten ihre letzte Besprechung. Sie verteilten die Teilnehmerkarten, unsere .Ausweise‘, die keine Nationalität verrie-ten, sondern lediglich die Parole der Aktion .Europa ist Gegenwart‘ trugen. Langsam rollten die 20 Autobusse der Übergangsstelle zu. Der erste entfaltete die grünen Europaflaggen und bald wehte von allen Omnibussen das grüne E auf weißem Grund. Wochenschau und Illustrierten hatten uns erwartet, als wir bei Hirschthal an den Schlagbaum kamen. Professor Mouskhély und die französischen Freunde winkten von drüben, der Schlagbaum ging hoch, die Zoll-beamten salutierten und unter lautem Jubel fuhren wir ins Elsaß ein. Die Bevölkerung winkte herzlich, und wir grüßten sie mit deut-schen und französischen Sprech-Chören.
Ähnlich berichteten die Studenten der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen in der Aachener Volkszei-tung :

Durch eine stürmische Regennacht ging es in Autobussen Hei-delberg entgegen, dem Treffpunkt der deutschen Teilnehmer. Deutsche akademische Jugend wollte Vorkämpfer einer Ent-wicklung sein, die nach historischen Gesetzen zwangsläufig kommen muß.
Die Tatsache, daß mit uns Angehörige aller Berufe und aller sozialen Schichten fahren, gibt uns das Bewußtsein, die ganze deutsche Jugend zu vertreten.
In der Nacht treffen die Wagen aus allen Teilen der Bundesre-publik ein, und am Freitag wird um acht Uhr morgens in Rich-tung Grenze aufgebrochen. Da wir nicht wußten, wie sich die Grenzer hüben und drüben verhalten würden, schoben sich in der Nähe von Pirmasens die 22 großen Autobusse und die vie-len kleineren Wagen über ausgefahrene Waldwege und durch die steilen Serpentinen der Südpfalz der Grenze zu.
Inzwischen war man aber in Straßburg nicht untätig gewesen. Professor Mouskhély, der Präsident des föderalistischen Uni-versitäten-Verbandes in Paris, hatte mit Außenminister Schu-man verhandelt, so daß die Grenzstationen telegraphische An-weisung erhalten hatten, uns ohne jede Schwierigkeit passieren zu lassen.
So ging dann, als wir die Grenzstation erreichten, sofort der Schlagbaum hoch. Freunde von hüben und drüben umarmen sich, und unter dem Jubel aller Anwesenden überfährt ein Au-tobus nach dem anderen die Grenze. Weiter ging die Fahrt, vorbei an winkenden Menschen, über das Schlachtfeld von Wörth aus dem Kriege 1870 und durch den heißumkämpften Hagenauer Forst vom letzten Krieg. Manch einer von uns er-kannte die Stelle wieder, wo er gefangen genommen oder gar verwundet wurde. Das gehörte einer schrecklichen Vergangen-heit an. Heute fuhren wir einer besseren Zukunft entgegen.
Dann kam Straßburg. Auch hier winkende Menschen. Die Ver-kehrspolizei hielt uns die Straßen frei. Es war für uns unfaßbar. Noch vor fünf Jahren hatte man uns als Gefangene durch die Stadt geführt, heute winkte man uns zu. Der europäische Ge-danke hatte sich stärker als alles Trennende gezeigt. Europäi-sche Gruppen, denen wir begegnen, begrüßen das Erscheinen der Deutschen mit großem Jubel.

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